Archiv für Juni 2014

PreisträgerInnen gesucht: Lichtenberg vergibt „Integrationspreis“

Lichtenberg sucht noch bis 15. August nach Vorschlägen für PreisträgerInnen. Diese sollen dazu beigetragen haben, Menschen, die vor Krieg und Diskriminierung fliehen mussten, im Bezirk willkommen zu heißen.

Zum ersten Mal wird der Bezirk Lichtenberg im September einen Integrationspreis vergeben. Damit wird das Engagement von Personen, Trägern, Unternehmen, Initiativen und innovativen Projekten anerkannt, die alle Menschen, die in Lichtenberg wohnen, ins alltägliche Leben integrieren und gleichberechtigt behandeln – gleich welcher Herkunft, Sprache oder kultureller Prägung und Lebensweise diese Menschen sind.

Außerdem setzen sich die PreisträgerInnen dafür ein, Kulturen gegenseitig anzuerkennen. Unter der Regie von Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) wählt die Jury unter den eingegangenen Vorschlägen geeignete PreisträgerInnen aus. Die Preisvergabe erfolgt unter einem jährlichen Motto. 2014 lautet es: „Flucht und Vertreibung“.

Bezirksbürgermeister Andreas Geisel erklärt: „Der Bezirk Lichtenberg möchte mit dem Integrationspreis 2014 Initiativen, Vereine, Projekte und Institutionen auszeichnen, die in den letzten Jahren einen wesentlichen Beitrag für die im Bezirk gelebte Willkommenskultur geleistet haben, für Menschen die vor Krieg und Diskriminierung fliehen mussten.“ Er verleiht eine Geldprämie in Höhe von 500 Euro sowie eine Ehrenurkunde.

Passend zum Motto sucht die Jury für den „Integrationspreis Lichtenberg“ noch bis zum 15. August 2014 begründete Vorschläge per Email an: Bärbel Olhagaray, baerbel.olhagaray@lichtenberg.berlin.de oder per Post an: Möllendorfstraße 6 10367 Berlin

Ein Artikel von BerlinOnline.

Unser Bündnis beim „Wir im Kiez“-Fest

Am 14. Juni 2014 fand erneut das Interkulturelle Stadtteilfest „Wir im Kiez“ auf dem Münsterlandplatz statt. Mit einem abwechslungsreichen Bühnenprogramm, Essens- und Informationsständen lockte das Fest zahlreiche Anwohner_innen aus den Wohnungen. Wie schon in den letzten Jahren war unser „Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz“ mit einem Stand auf dem Fest vertreten. Wir konnten so zahlreiche Broschüre an Interessierte verteilen und Gespräche mit Anwohner_innen führen. Vorherrschendes Thema war weiterhin der Anfang dieses Monats geschlossene Neonazi-Treffpunkt in der Lückstraße 58.
Auch der zwischenzeitliche Platzregen hielt die Feiernden nicht davon ab, ein buntes Zeichen für interkulturelle Verständigung zu setzen. Das ist auch der Verdienst der vielen Vereine und Initiativen vor Ort, die in den letzten Jahren für einen deutlichen Imagewandel im Lichtenberger Weitlingkiez gesorgt haben.

Einen kleinen Eindruck vom Tag vermittelt dieses Video:

16. Juni 2014: Kostenlose Filmvorführung „Klänge des Verschweigens“

Am Montag, dem 16. Juni, wird im Hohenschönhausener Kino „Cinemotion“ kostenlos der Film „Klänge des Verschweigens“ gezeigt. Er erzählt die Geschichte des Musikers Willy Heckmann, der aufgrund seiner Homosexualität ins KZ Mauthausen deportiert wurde. Der Regisseur Klaus Stanjek – Neffe des Portraitierten – zeichnet das Leben Heckmanns nach und interviewt mehrere Mitglieder seiner Familie. Der Film wirft einen intensiven Blick auf das Thema Vergangenheitsbearbeitung in deutschen Familien in der Nachkriegszeit.
Im Anschluss an die Filmvorführung wird es ein Gespräch mit dem Regisseur geben.

Kino Cinemotion
(Wartenberger Straße 174, 13051 Berlin)

Infos zum Film:
www.klaenge-des-verschweigens.de

Anstieg der Neonazi-Gewalt im Weitlingkiez?

In der vergangenen Woche war in mehreren Zeitungen von einer Verdopplung der Angriffe im Jahr 2013 die Rede. Die Zeitungen verbreiteten unhinterfragt die dpa-Meldung, dass der Weitlingkiez als „Hochburg von Rechtsextremisten in Berlin bekannt“ sei. Ein genauer Blick auf die Zahlen und auf die Stimmung im Kiez zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Die Zahlen
Anstoß der Debatte war die parlamentarische Anfrage des Berliner Abgeordneten Ole Kreins. Aus der Antwort Frank Henkels ging hervor, dass sich die Zahl der Neonazi-Angriffe im Weitlingkiez von zwei auf vier erhöht habe. Die Zahl der aufgenommenen Neonazi-Straftaten seien hingegen von 31 auf 24 gesunken.
Wirft man einen Blick auf die Gesamtzahl der Angriffe in Berlin, die von den Berliner Registern und Reachout vorgelegt wurde, wird das Bild des Weitlingkiezes als Neonazi-Schwerpunkt weiter relativiert. Ingesamt 185 Angriffe wurden Berlinweit gezählt. Die meisten Angriffe wurden in Hellersdorf (16), Kreuzberg (15) und Friedrichshain (14) verübt. Lichtenberg liegt mit 13 Angriffen direkt dahinter, und damit im Berlinweiten Trend der gestiegenen Angriffszahlen. Im Vergleich mit anderen Bezirken war weder Lichtenberg noch der Weitlingkiez als herausragender Schwerpunkt von Neonazi-Aktivitäten oder -Gewalt auszumachen.

Die Vorfälle
Ein Blick auf die Angriffe im Weitlingkiez offenbart, dass die meisten, wenn nicht alle, einen rassistischen Inhalt hatten und spontan ausgeführt wurden. Es ist nicht auszuschließen, dass sie von Täter_innen ausgeführt wurden, die sich um den Neonazi-Treffpunkt Lückstraße 58 bewegten. Wahrscheinlicher sind diese im Kontext der bundesweiten rassistischen Mobilisierungen gegen Flüchtlingsheime und der Diskussionen um Flüchtlinge allgemein zu verorten. Diese haben, laut einer Einschätzung von Reachout, ein Klima geschaffen, in dem es zu einem deutlichen Berlinweiten Anstieg der rassistischen Angriffe kam. Eine Weitlingkiez-Spezifik ist hier nicht festzustellen.

Die Stimmung im Kiez
Mit der Schließung des Neonazi-Treffpunkts in der Lückstraße 58 Anfang Juni 2014 ist der zentrale Treffpunkt der Lichtenberger Neonazis verschwunden. An einer Kundgebung zur Feier der Schließung nahmen mehr als 50 Menschen aus dem Kiez teil. Mit dem „Wir im Kiez“-Fest am kommenden Samstag findet ein inzwischen etabliertes interkulturelles Fest mitten im Weitlingkiez statt.
Die Stimmung hat sich in den letzten Jahren deutlich gegen die Neonazis gedreht, das ist ihnen auch selber bewusst. Ihre Aktionen im Kiez wirken wie hilflose Rückzugsgefechte. Um so fataler ist es, wenn die Presse auf Basis einer wenig aussagefähigen Statistik den Weitlingkiez erneut zur Neonazi-Hochburg stilisiert und so Erreichtes infrage stellt.

Der Neonazitreffpunkt Lückstraße 58 ist endlich Geschichte

Zum Ende Mai 2014 haben die Neonazis das Ladengeschäft in der Lückstraße 58 verlassen. Das war das Ergebnis eines gerichtlichen Vergleichs, den der Vermieter mit dem Neonazitarnverein „Sozial engagiert in Berlin e.V.“ (kurz „SeiB e.V.“) aushandelte. In den letzten Tagen des Bestehens nutzten die Berliner Neonazis diesen Treffpunkt noch einmal ausgiebig. So fand am 24. Mai eine Neonazifeier statt und am 29. Mai, dem „Herrentag“, versammelten sich etwa 25 Neonazis vor dem Gebäude, betranken sich und pöbelten gegen die Teilnehmer_innen der gegenüberliegenden antifaschistischen Kundgebung. Im selben Zeitraum wurde nicht nur die Fassade des Hauses mit dutzenden Neonazi-Plakaten beklebt, auch im Kiez tauchten etliche Neonazi-Aufkleber auf.

Mit der Schließung verschwindet der zentrale Treffpunkt der Lichtenberger Neonazis und damit aus der Ausgangspunkt zahlreicher Propaganda-Aktionen, Sachbeschädigungen und Übergriffe in den letzten drei Jahren. Das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz verabschiedete am 29. Mai zusammen mit vielen Anwohner_innen die Neonazis mit einer Kundgebung im gegenüberliegenden Blockpark, an der auch der Lichtenberger Bürgermeister Andreas Geisel teinahm und ein Grußwort hielt.
Der Vermieter wurde für sein Engagement gegen die Neonazis mit dem Lichtenberger Demokratiepreis ausgezeichnet.

Nun heißt es wachsam bleiben:
Es ist davon auszugehen, dass die Neonazis versuchen werden, ein neues Objekt für ihr „nationales Jugendzentrum“ anzumieten. Sie werden dafür voraussichtlich weiter den Tarnverein „Sozial engagiert in Berlin e.V.“ (kurz „SeiB e.V.“) nutzen. Der Bezirk hat bereits vor einiger Zeit die Vermieter leerstehender Gewerbeflächen im Bezirk angeschrieben und vor möglichen Neonazi-Anmietungen gewarnt.
Falls Sie Neonazis dabei beobachten, wie sie ein neues Objekt beziehen, wenden Sie sich an uns oder die Netzwerkstelle „Licht-Blicke“ (www.licht-blicke.org).

Presse dazu:
„Wir wollen keine Nazis als Nachbarn haben!“ (LichtenbergMarzahnPlus)
Abschied macht Freude (Neues Deutschland)