Archiv für Oktober 2014

Gesucht wird: Preisträger für den Lichtenberger Preis für Demokratie und Zivilcourage

Auf dem Jahresempfang des Bezirksamtes Berlin-Lichtenberg wird traditionell der Lichtenberger Preis für Demokratie und Zivilcourage verliehen – diesmal am 16. Januar 2015.
Der Bezirk würdigt mit diesem Preis Initiativen, Einzelpersonen, Vereine oder Institutionen, die sich engagiert und mutig für ein tolerantes, gewaltfreies, weltoffenes und demokratisches Miteinander in der Gesellschaft einsetzen – sowohl im Alltag, als auch mit öffentlichkeitswirksamen Projekten.
Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) bittet die Lichtenbergerinnen und Lichtenberger herzlich darum, schriftlich ihre Vorschläge einzureichen und ihre Wahl zu begründen. Über die Preisvergabe entscheidet dann eine Jury aus Bezirksamtskollegium, Vertretern des Lichtenberger Bündnisses für Demokratie und der Präventionsbeauftragten der regionalen Polizeidienststellen.
Vorschläge per E-Mail oder per Post nimmt die Integrationsbeauftragte des Bezirkes Lichtenberg, Bärbel Olhagaray, entgegen. Einsendeschluss ist der 1. Dezember.

Vorschläge an:
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
Integrationsbeauftragte Bärbel Olhagaray
Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin
Telefon: 030 / 90296 –3907
E-mail: Bärbel.Olhagaray[at]lichtenberg-berlin.de

Rückblick: Aktionswochen in Lichtenberg

Mit sechs Veranstaltungen beteiligte sich Lichtenberg an den Berlinweiten Aktionswochen für ein offenes und vielfältiges Berlin. Dabei wurden zwei Lesungen, zwei Filmvorführungen – davon eine mit Konzert – eine Podiumsdiskussion und eine Bustour durch den Bezirk geboten.
Die Resonanz auf die Veranstaltungen war unterschiedlich, doch die Veranstaltungen und Diskussionen durchweg interessant und spannend. Ein paar Eindrücke von den Veranstaltungen finden sich in der Rubrik Fotos der „Bunter Wind“-Seite. Den Abschluss der Aktionswochen bildete eine Abschlusstagung im Roten Rathaus mit Diskussionen und Workshops, bei der Akteure der Zivilgesellschaft aus verschiedenen Bezirken miteinander ins Gespräch kommen konnten.
Kati Becker, Koordinierungsstelle des Lokalen Aktionsplans Schöneweide kommentiert „Wir haben in vielen Bezirken ähnliche Probleme, aber nicht jeder Bezirk muss jede Erfahrung machen. Probleme zu sehen, bevor sie entstehen, sich über deren Lösung auszutauschen, andere Aktive kennenzulernen und uns zu vernetzen war unser Ziel. Dem sind wir mit den Aktionswochen und dem Fachtag ein Stück näher gekommen.“.

Veranstaltungsreihe zu „Kindertransporten“

Im Oktober/November 2014 gibt es in Lichtenberg eine Veranstaltungsreihe zum Jahrestag der „Kindertransporte“ im Nationalsozialismus. In diesem Rahmen findet ein Zeitzeugengespräch und eine Filmvorführung statt:

17. Oktober 2014
Zeitzeugengespräch mit Horst Selbiger (Ehrenvorsitzender „Child Survivors Germany“) im Café Maggie
> Frankfurter Allee 205, 10365 Berlin, Nähe U-Bhf. Magdalenenstraße

10. November
Filmvorführung “ Kindertransport – In eine fremde Welt“ im Weiten Theater
> Parkaue 23, 10367 Berlin, Nähe S- und U-Bhf. Frankfurter Allee, Zugang über Deutschmeisterstraße

Die Veranstaltungen werden organisiert vom Jugendbündnis ALKALIJ.

Solidaritätskundgebung nach Brandanschlag auf koptische Kirche

In der Nacht zum Samstag, dem 4. Oktober, wurde ein Brandanschlag auf die koptische Kirche am Roedeliusplatz in Lichtenberg verübt. Kurz vor sieben Uhr schoben unbekannte Täter eine brennende Mülltonne gegen das Eingangstor der Kirche. Das Feuer griff auf das Tor über und wurde erst durch die anrückende Feuerwehr gelöscht. Ein in der Kirche schlafender Flüchtling, der in der Gemeinde als Messdiener arbeitet, blieb unverletzt. Die Polizei schließt eine rassistische Motivation der Täter nicht aus.

Aus diesem Anlass wurde am Sonntag, dem 5. Oktober, zu einer Kundgebung in Solidarität mit den Betroffenen aufgerufen. Mehr als 80 Menschen fanden sich um 18:00 Uhr an der Kirche ein, darunter auch viele Mitglieder der koptischen Kirchgemeinde und einige Vertreter_innen des „Lichtenberger Bündnisses für Demokratie und Toleranz“. Neben dem Grußwort eines Vertreters der Gemeinde wurde in Redebeiträgen auf die Dimension rechter Gewalt – auch in Form von Brandanschlägen – in Berlin und Lichtenberg hingewiesen. Die Kundgebung hat gezeigt, dass auch in Lichtenberg viele Menschen klar Position gegen rassististische Gewalt beziehen.

Update:
In der Nacht zum 9. Oktober versuchten unbekannte Täter_innen, in die Kirche einzudringen. Sie beschädigten dabei eine Scheibe am Eingang der Kirche. Auch hier ermittelt nun die Polizei.

Aktionswochen: Zwei Lesungen in Lichtenberg

Im Rahmen der Berliner Aktionswochen finden in der nächsten Woche noch zwei interessante Veranstaltungen statt:

7. Oktober 2014 18:00 Uhr, Anna-Seghers-Bibliothek, Prerower Platz 2 ( Nähe S-Bhf Hohenschönhausen / Im Lindencenter)

Das Zwangslager für Sinti und Roma in Berlin-Marzahn: Alltag, Verfolgung und Deportation
Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz

Lesung mit der Historikerin Patricia Pientka.

Zwischen 1936 und 1945 waren schätzungsweise 1200 Sinti und Roma im Zwangslager Berlin-Marzahn interniert.
Das am Rande der damaligen Reichshauptstadt Berlin gelegene Lager, das damals zum Verwaltungsbezirk Lichtenberg gehörte, war das größte kommunale „Zigeunerlager“ im sogenannten „Altreich“. Die Nationalsozialisten nutzten es zur gewaltsamen Exklusion von Sinti und Roma, ihrer rassistischen und kriminalpolizeilichen Erfassung sowie ihrer Ausbeutung durch Zwangsarbeit. Schließlich diente es als Sammellager für Deportationen der Festgehaltenen in verschiedene Konzentrationslager.
Die Historikerin Patricia Pientka beschreibt in ihrem Buch die Einrichtung des Lagers, das im Vorfeld der 1936 in Berlin stattfindenden Olympischen Spiele entstand. Die Autorin rekonstruiert die Lebensbedingungen im Lager, informiert über die verschiedenen an der Verfolgung beteiligten Akteure, insbesondere über die Rolle der Berliner „Dienststelle für Zigeunerfragen“, und fragt nach den Schicksalen der Internierten.

10. Oktober 2014 18:00 Uhr, Kiezspinne FAS e.V., Schulze-Boysen-Straße 38, 10365 Berlin
Ilse Stöbe. Wieder im Amt. Eine Widerstandskämpferin in der Wilhelmstraße
VVN-BdA Lichtenberg

Die beiden Autor_innen Hans Coppi und Sabine Kebir lesen aus ihrem Buch über Ilse Stöbe, die im Auswärtigen Amt in Berlin arbeitete und 1940/1941 vertrauliche Berichte – vor allem zum bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion – an den sowjetischen militärischen Nachrichtendienst GRU weitergeleitet hat.
Das ungewöhnliche und dramatische Leben dieser Frau, die mit 31 Jahren 1942 hingerichtet wurde, berührt durch die sachkundige und emotionale Darstellung. Ohne Zweifel ist es unter anderem dieser Publikation zu verdanken, dass ihr Name seit kurzem auf der Gedenktafel des Auswärtigen Amtes in Berlin steht.